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Hag.2,21-24

Die folgende Predigt zu Haggai 2,21-24 ist nicht bis ins Letze wortwörtlich ausgearbeitet.

Beim Vortrag wurde einiges ergänzt und erklärt sowie einige hier nur angedeutete Stichworte entfaltet. Ich bitte, das zu berücksichtigen. Ebenso ist die Orthografie nicht nach dem Duden, sondern nach meinem eigenen Rededuktus gesetzt.

Als Gedankenanregung oder Fundgrube für eigene Predigten zu Haggai mag da aber trotzdem dienen.

 

Wahlprognose

Alles redet von der Wahl (Predigt wurde an einem Wahltag gehalten), da machen wir keine Ausnahme.

Was denken sie, wer schafft es heute Abend?

Nun bin ich kein politischer Wahlbeobachter, sondern ein theologischer: Darum komme ich zu einer ganz anderen Wahlprognose:

Du bist gewählt!

 

Ich will ihnen das an einer Person verdeutlichen, nämlich an Serubbabel. Seine Wahl geschah im Jahr 520 v. Chr.

 

Bibeltext lesen

2:20             Und das Wort Gottes geschah zum zweiten Mal zu Haggai an diesem 24. des Monats und er sprach:

2:21             Sprich zu Serubbabel, dem Statthalter Judas:

2: 21b          Ich werde Himmel und Erde erschüttern.

2:22              Ich stürze um die Throne der Königreiche.

        Ich zerstöre die Stärke der Königreiche der Nationen.

        Ich stürze um die Kriegswagen samt ihrer Wagenlenker,

        Pferde und Reiter sinken zu Boden.

Ein jeder durch das Schwert seines Bruders.

2:23             Heute - so lässt Jahwe der Heerscharen sagen - nehme ich dich Serubbabel, Sohn Schealtiëls, meinen Knecht so lässt Jahwe sagen - und ich setze dich auf wie einen Siegelring, denn ich habe dich erwählt - so lässt Jahwe der Heerscharen sagen.

"Heute" und nicht wie Luther übersetzt - zur selben Zeit.

Wer weiß, wie sein Uropa heißt?

Serubbabel weiß das!

Und er weiß auch, was seinem Uropa verheißen wurde.

(David Dynastieverspechen erläutern)

 

 

Stammbaum Serubbabels

(Gestaltungsmöglichkeit:

25 Gemeindeglieder fassen an einem Seil an.

Die Namensliste könnte aber auch auf Tapetenrolle abgerollt werden oder per Powerpoint-Folie präsentiert werden).

 

1.       David

2.       Salomo

3.       Rehabeam (17 Jahre)

4.       Abija (3 Jahre, 1 Jahr Überschneidung mit Asa)

5.       Asa (41 Jahre, 1 Jahr Überschneidung mit Joschafat)

6.       Joschafat (25 Jahre, 4 Jahre Überschneidung mit Joram)

7.       Joram (8 Jahre, 1 Jahr Überschneidung mit Ahasja)

8.       Ahasja (1 Jahr)

9.       Atalja, Mutter Ahasjas und Gattin Jorams (6 Jahre)

10.    Joas (40 Jahre, 3 Jahre Überschneidung mit Amazja)

11.    Amazja (29 Jahre, Überschneidung mit Asarja)

12.    Asarja (Usija) (52 Jahre, Überschneidung mit Jotam)

13.    Jotam (16 oder 20 Jahre, Überschneidung mit Ahas)

14.    Ahas (740 726, 16 Jahre, 1 Jahr Überschneidung mit Hiskija, wurde mit 20 Jahren König, mit 9 Jahren Vater von Hiskija)

15.    Hiskija (725 696, 29 Jahre - Fall Samarias Frühjahr 721 v. Chr.)

16.    Manasse (696 641, 55 Jahre)

17.    Amon (641 639, 2 Jahre)

18.    Joschija (Josia) (639 608, 31 Jahre, wurde mit 8 Jahren König, mit 14 Jahren Vater von Jojakim, mit 16 Jahren Vater von Joahas)

19.    Joahas (608, 3 Monate)

20.    Jojakim (608 597, 11 Jahre)

21.    Jojachin (597, 3 Monate)

22.    Zedekia (597 586, 11 Jahre - Zerstörung Jerusalems Sommer 586 v. Chr.)

23.    Jojachin / Jechonjas - von Nebuchadnezzar ins Exil verschleppt 597v. CHr.

24.    Schealtiel (kein König)

25.    Serubabel

Es ist eine Wiederwahl - nach großem Fehlern und Versagen. Serubbabel wurde gewählt als David erwählt wurde, weil er Nachkomme Davids ist.

Wahlprognose 2: Es ist sicher, dass der nächste Kanzler Mitglied folgender Partei ist: CDU / SPD - Grüne / FDP / Linke

Israel ist schwach und ohnmächtig und auf die Hilfe und den guten Willen der Perser angewiesen.

Also wen wählt Gott:

Er wählt einen unbedeutenden kaum bekannten Kerl.

Keine Wahl ohne Wahlversprechen. Was wird vor der Wahl nicht alles versprochen. Auch in Haggai gibt es große Wahlversprechen:

Ich werde Himmel und Erde erschüttern.

2:22              Ich stürze um die Throne der Königreiche.

        Ich zerstöre die Stärke der Königreiche der Nationen.

        Ich stürze um die Kriegswagen samt ihrer Wagenlenker,

        Pferde und Reiter sinken zu Boden.

Ein jeder durch das Schwert seines Bruders.

Aber fällt ihnen was auf?

Hier aber verspricht nicht der zu Wählende, sondern der Gewählte.

 

Gott gibt Verheißungen, keine Versprechen.

Verheißung, weil er heißt, weil er mit seinem Namen dahintersteht. JHWH Zebaoth.  Verheißungen weil: Ich heiße . "So lässt Jahwe der Heerscharen sagen."

Gott gibt auch uns Wahlversprechen z. Bsp.: Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade wird nicht von dir weichen.

 

Es hat nur einer gewählt, nämlich Gott.

Das Volk hat gar nicht gewählt. Das war eine heimliche Wahl.

Das Volk hat davon erst einmal gar nichts mitbekommen.

Die ganze Welt hat davon erst einmal gar nichts mitbekommen.

Und die Wahlversprechen, die Verheißungen Gottes sind nicht am nächsten Tag schon in Erfüllung gegangen.

 

Designiert, das heißt - Machtübertragung nicht Machtergreifung des Herrschers.

Für die Machthaber der Welt gilt, wie für uns kleine Leute auch: Keiner kann sich sicher fühlen, der nicht auf Gottes Seite ist. Letztlich zählt nicht die erkämpfte, die erstrittene, die erworbene Macht, sondern die eingesetzte, die berufene, die von Gott abgeleitet Macht. Es ist die von Gott besiegelte Macht und nicht die erkämpfte, die letztlich bleibt.

 

 

Siegelring

Serubbabel wird aus dem Getümmel der Weltkatastrophe herausgenommen und so behandelt, als ob er ein Siegelring wäre. Wir gehen wie die meisten Übersetzungen im deutsch- und englischsprachigen Raum davon aus, dass tatsächlich ein Siegelring gemeint ist. Das hebr. chotm = Siegel könnte sich auch auf die auch in persischer Zeit noch üblichen Rollsiegel beziehen. Allerdings ist in Jer.22,24, eine Stelle, die für Haggai im Hintergrund steht, deutlich ein Siegelring gemeint. Zudem zeigen Funde, dass zur Zeit Haggais unter persischen Beamten der Siegelring in Gebrauch war. (Koch, S.270-71).

Wenn Serubbabel Jahwes Siegelring ist, dann würde man bildlich gesprochen, wenn man Serubbabel angreift, Gott den Ring vom Finger reißen.

Dies ist in der Vergangenheit geschehen, als Gott zu dem Vorfahren Serubbabels, dem letzten König Judas, das Fluchwort sprach: Jer. 22,24  So wahr ich lebe, spricht der HERR: Wenn Konja, der Sohn Jojakims, der König von Juda, ein Siegelring wäre an meiner rechten Hand, so wollte ich dich doch abreißen . Nur auf dem Hintergrund dieses Fluchwortes wird die Verheißung an Serubbabel in 2,23 lebendig. Im Bild gesprochen: Gott setzt sich den Siegelring, den er mit Jojachin abstreifte und somit das Exil Judas zuließ und ermöglichte, wieder auf den Finger. So wie ich auf einen Siegelring aufpasse, indem ich ihn immer bei mir trage und nicht aus der Hand lege, so bleibe ich bei Serubbabel , lässt Gott durch Haggai ausrichten. In Serubbabel gilt seine besondere Aufmerksamkeit wieder dem Dynastieversprechen, dass er einst David gegeben hat und dass er jetzt mit Serubbabel und seinen Nachfahren aktiv weiterführt. Diese Linie führt hin bis zu Jesus Christus, dem Sohn Davids, der im Heilsplan Gottes der große Zielpunkt der Dynastieverheißung ist. Das Bild vom Siegelring assoziiert also Schutz und Sicherheit.

Im Bild des Siegelringes schwingen aber noch andere Implikationen mit. Sie resultieren aus der Funktion der Siegelringe. Ihre Aufgabe war es, die Echtheit von Dokumenten und Verträgen zu besiegeln. Ihnen wurde in Ton oder Wachs ein Siegel aufgedrückt, das deutlich machte, wer hinter dem Dokument stand. Ein Siegel ist ein Autoritätszeichen. Siegel reflektierten und repräsentierten damit die Person, dessen Namen sie trugen. Die persische Tontafelbibliothek liefert dafür zahlreiche Beispiele.

Der Verlust eines Siegels war eine große Katastrophe, da der Finder oder Dieb nun mit der Autorität des Siegelbesitzers handeln konnte. Im persischen Reich musste der Verlust des Siegels daher angezeigt werden. Eine solche Verlustanzeige ist vom Hofmarschall des Dareios, Farnaka, der damit auch gleichzeitig die Rechtmäßigkeit seines neuen Siegels bestätigt, überliefert (Koch 1992, S.30).

Wie ein Siegel bedeutet für Serubbabel, er wird als Bevollmächtigter Gottes eingesetzt. In Gottes Namen soll er agieren. Das, was er tut, steht unter der Autorität Gottes. Das Siegel repräsentiert also den bevollmächtigten Botschafter.

Repräsentative Vollmacht - ein Botschafter repräsentiert sein Land. So repräsentiert Serubbabel Gott.

Das NT macht dabei deutlich, dass Christen mit in die Regentschaft berufen werden (2.Tim.2,12;).

12 dulden wir, so werden wir mit herrschen;

Offb.5,9-10

Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden.

 

Die Berufung Serubbabels gilt so in gewisser Weise auch uns. Sicherlich genauso verdeckt und verborgen, wie es bei Serubbabel war. Und doch soll diese Tatsache uns Mut machen für die bevorstehenden Herausforderungen.

 

zum Dienen!

 

"Meinen Knecht" - zum Dienen, zum Gottesdienst

 

 

Gott ist treu und steht zu seinem Wort. Ich bin ein Teil in seiner Geschichte.

In welcher Situation wurde er gewählt?

Schwach und klein und unbedeutend. Wir sind nicht die Großen, die Global Player der Weltgeschichte.

Wie wurde er gewählT?

Von der Macht ist noch nichts sichtbar. Designiert. Keine Machtergreifung.

Letztlich zählt nicht die erkämpfte, die erstrittene, die erworbene Macht, sondern die eingesetzte, die berufene, die von Gott abgeleitet Macht.

Auf die Verheißungen vertrauen.

 

Wie - Brief und Siegel