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Himmelsbibliothek

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Wenn ich dereinst einmal im Himmel angekommen bin
Dann führt mein erster Weg zu ganz besonderem Ort mich hin
Ich sag: „Petrus. Formalitäten – das kann warten, das hat Zeit
Ich bin ja jetzt ein bisschen länger hier, ne knappe Ewigkeit
Mich zieht’s dahin wo in Regalen Buchrücken an -rücken steht
In einen alten hohen Saal von warmen Sonnenlicht durchweht.
In Palisander eingefasst getäfelt und verziert.
Mit einem Hauch edler Erhabenheit liebevoll dekoriert
Ich seh mich vor der Türe steh’n, das ist mein erster Himmelsweg
Er führt mich schnurstracks geradeaus zu dessen Haupt-Bibliothek

Dort such ich nicht die Faust von Goethe oder Kafkas Uhr
Kein Mörike, kein Schiller, kein Stück Weltliteratur
An allen theologischen Werken geh ich vorbei
Kommentare zu Haggai; Jona sind mir plötzlich einerlei
Links liegen blieben auch Belletristik, Sport und Kunst
Satire, Comic, Kabarett, wer sonst noch was verhunzt.
Will auch nicht wissen, ob die eignen Werke anzutreffen sind.
Die sind vermutlich indiziert, lagern in einem Kellerspind.
Ich saus an A vorbei an B und und an der Ahnengalerie,
Nur ein Stück weiter stehe ich vor (ihr) deiner Biografie.

Nun werd nicht schamrot verlegen, nicht schüchtern oder schwach
Ich les bestimmt bei dir nicht in deinem Sündenregister nach.
Kein Interesse, was du ausgefressen hast oder verbockt.
Wie viel Leute du geschleimt, gelinkt, ins Unglück hast gelockt-
Ich will nicht wissen, ob die Tat zu deinem Worten hat gepasst
Wen du hofiert und in deinen Gedanken ausgezogen hast.
Das hab ich alles selber auf dem Kerbholz, da wird’ ich ganz klein.
Denn schlimmer als bei mir kann es bei dir - weiß Gott - doch gar nicht sein.
Doch wahrscheinlich find ich davon nichts, Schuld kommt gar nicht soweit.
Sie wird bei Jesus aufgehoben sein für alle Ewigkeit.

Ich will nur wissen, wie es nach uns bei dir weitergeht.
Den Segensspuren lang gehen, die Jesus in dir sät.
Will ihn Loben wie dein Leben sich gestaltet und erfüllt
Von Liebe überflutet und von Gnade eingehüllt
Seite um Seite les ich wie sein Geist dein Leben weiterprägt
Durch Höhen und durch Tiefen und was dein Herz bewegt.
Von dem was dir den Kopf zerbrochen und dich um die Nacht gebracht
In dem was du für ihn in seinem Auftrag hast gemacht
Wie er dich herzt bevor es schmerzt. Wie er dich hält bevor du fällst
Und ob’s das wird, was du dir für dein Leben – hier vorstellst.

Ich lese neugierig was Gott aus dem Leben dann gemacht
Und wie er deine Bitten an das Tageslicht gebracht.
Wie auf den Knien dein Gebet die Hebel dieser Welt bewegt.
Und wie Gottes Geist den deinen hat zu gutem Tun angeregt
Ich les durch Misserfolge, Scheitern, hindurch durch Angst und Not
Wie Gott dein ganzes Leben lenkte als dein Lebenspilot.
Und er am Ziel dich dann sanft aufgesetzt nach manchen Turbulenzen
Und Sorg und Last entluden sich in Lob und Freudentänzen.
Wie Gott selbst Umwege in deinem Leben mit dir zum Segen ging
Wo für dich keiner was für dich gegeben hätte, keinen Pfifferling

(Doch) Vielleicht passiert es auch, du wartest meiner vor der Tür
Und wir gehen in die Cafete und du schilderst deine Kür.
Oder es läuft gerad dein Lebensfilm im Himmelskino an.
Prämiert mit Oscar, Golden Globe und dieser Goldpalme aus Cannes
Dann kauf ich Popcorn plüsch mich in den Sessel und verfolg exakt
Wie Jesus mit dir lebte jede Szene jeden Akt.
Vielleicht ist auch alles andres als ich mirs vorstellen kann
Vielleicht fang ich im Himmel alles ganz ganz anders an
Und es gibt keinen Lesesaal und auch kein Filmvorführgerät
Freu ich mich dennoch, weil dein Lebensbuch im Buch des Lebens steht.

(c) Thomas Ehlert, 2001